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„Historytainment – Geschichte als Seifenoper?

Über den Boom der Populärgeschichte“

eine Sendung von Martin Hartwig

 

Musik: This Heat. History repeats itself

Atmo 1: Gebrabbel historischer Stimmen

Collage aus historischen Töne: (Hitler/Adenauer/Papst/Kennedy) Ansage

Dramatischer Musik:  Hitler - eine Bilanz. Musikakzent. Atmo stoppt abrupt.

 

1.      O-Ton: (Knopp)

Es ist ein großes Jahr der Jahrestage, wenn wir uns erinnern, was alles mit besonderer Beachtung stattfindet. Am 11. und 12 Januar der Jahrestag des sowjetischen Großangriffs, was Flucht und Vertreibung natürlich verursacht hat. Flucht und Vertreibung wird ein großes Thema sein auch über unsere Programme weit hinaus. Die Befreiung von Auschwitz ist natürlich ein großes Thema, 60 Jahre danach. Alle Themen, die mit dem Kriegsende zu tun haben. Die letzte Schlacht um Berlin. All diese Dinge, bis in den Mai hinein, auch die beginnenden Monate des Friedens 1945.

 

Sprecher:

Guido Knopp, Leiter der Abteilung Zeitgeschichte beim ZDF und nach den Worten von Bundestagspräsident Thierse der „Geschichtslehrer der Nation“.

 

2.      O-Ton: Knopp (Fortsetzung)

Und es wird möglicherweise der letzte großes Termin dieser Art sein. Mit dem man dokumentarisch präsent sein kann, mit noch lebenden Zeitzeugen.

 

Sprecher:

Über vier Millionen Zuschauer haben sich letztes Jahr die Auftakttaktfolge von Guido Knopps Reihe „Hitlers Manager“ angesehen. Die ebenfalls aus dem Hause Knopp stammende „Stunde der Offiziere“ – ein sogenanntes Dokudrama über die Hitler-Attentäter - wollten zwar nur 2,7 Millionen Zuschauer sehen, dafür lockte das Konkurrenzprodukt der ARD – der Spielfilm „Stauffenberg“ über 7 Millionen Menschen an den Bildschirm. Bei SAT 1 sendet vor allem Spiegel TV immer wieder mal Zeitgeschichtliches und am Jahrestag des D-Day, dem Tag der Landung der Alliierten in der Normandie, berichtete RTL praktisch live vom „Omaha Beach“.

 

3.      O-Ton: (Kloeppel) [Regie: so anlegen, dass Musik bereits unter Sprecher startet / O-Ton kurz frei dann unter Sprecher wegblenden]

MUSIK Dieses Meer von Kreuzen in der Normandie. Es steht stellvertretend für die vielen tausend gefallenen Soldaten, der wahrscheinlich wichtigsten Schlacht des zweiten Weltkrieges, die bekannt geworden ist unter dem Namen D-Day. D-Day bedeutet im Soldatenjargon so etwas wie ein besonders wichtiger bedeutender Tag  Morgen jährt er sich zum sechzigsten Mal…

 

Sprecher:

Auf allen Fernsehkanälen läuft derzeit die Vergangenheit.

 

Sprecherin:

Inzwischen hat Geschichte sogar die Prime Time der großen Sender um 20.15 Uhr erobert. Das war nicht immer so. In den 70er Jahren war die Auseinandersetzung mit geschichtlichen Themen noch vor allem eine Sache der Dritten Programme und des Schulfunks. Selbst der amerikanische Vierteiler „Holocaust“ lief 1979 noch in den Dritten, und bescherte ihnen Einschaltquoten von über 40%. Praktisch jeder zweite deutsche Erwachsene sah damals die Serie. Damit war der Darstellung von Zeitgeschichte im Fernsehen der Durchbruch gelungen. Mit der Einführung des privaten Rundfunks hatten es Geschichtsdokumentationen allerdings wieder schwerer sich gegen ein expandierendes Unterhaltungsangebot durchzusetzen. Derzeit kann man mit Geschichte jedoch Kasse machen; in den Kiosken liegen immer mehr Titel aus, die sich der populären Aufbereitung von Geschichte verschrieben haben und in Hollywood hat der Historienfilm eine Renaissance erfahren. Professor Wolfram Siemann von der Universität München beobachtet diesen Boom seit einigen Jahren.

 

4.      O-Ton: (Siemann)

Man muss verschiedene Gesichtspunkte unterscheiden. Da ist einmal der Neuigkeitswert, dass man in eine andere fremde Kultur eintauchen kann. Die Phönizier, die Inkas, die Ptolemäer; die alten Griechen, also eine Zeit wo man wenig Vorwissen hat oder gar nichts und so etwas wie eine Ethnologie auf Geschichte erfährt, also wo spannende Geschichte als Geschichten an Historie angebunden wird. Und ich denke mir dann. Warum ist das der Fall? Es muss noch das Moment dabei sein: Es ist authentischer: Es ist etwas Wahres. Es ist ein wahrer Kern. Hier erfährst du etwas über die Wirklichkeit, die nicht nur erfunden oder manipuliert ist.

 

Sprecher:

Der Grund für den Erfolg von zeitgeschichtlichen Dokumentationen und Stoffen liegt so Siemann in unserer jüngsten Vergangenheit.

 

5.      O-Ton: (Siemann)

Wenn große Ereignisse oder Umbrüche erfahren werden, wie zum Beispiel 1989/90 die deutsche Einheit ist das ein Anlass sich immer wieder neu zu positionieren und das ist inzwischen viel intensiver geworden, als in früheren Jahrzehnten, also ich nehm die 50er 60er 70er Jahre. Besonders das Jahr 1989 ist so ein starker Einschnitt wo ein ganzer Staat, die DDR untergegangen ist und nun bereits die Situation entsteht, dass hier Vergangenheit bereits reflektiert wird – historisiert wird. Es ist also ein permanenter Konfrontationsprozess und Identifikationsprozess.

 

Sprecher:

Geschichte muss sich inzwischen jedoch auf einem Markt behaupten, auf dem mit immer schärferen Mitteln um die Aufmerksamkeit von Lesern und Zuschauern gerungen wird. Beiträge zu geschichtlichen Themen stehen in direkter Konkurrenz zu Talkshows, Modemagazinen und Kriminalfilmen. Diese Konkurrenz hat Auswirkungen auf die Art, in der von den Ereignissen der Vergangenheit berichtet wird. Geschichte ist Teil des Infotainment geworden.

 

Sprecherin:

Der Begriff Infotainment wurde von dem amerikanischen Soziologen Neil Postman geprägt. Er kritisierte damit die zunehmende Vermengung von Information und Entertainment im Fernsehen, bei der wirkliche Information auf der Strecke bleibe, und nur Scheinwissen und Scheinbildung vermittelt würden. Inzwischen haben die so Kritisierten den Begriff jedoch freundlich übernommen und umgedeutet. Sie wollen Infotainment als unterhaltsame und deswegen erfolgreiche Wissensvermittlung verstanden wissen.

 

Atmo2: JINGELS / SCHNIPSEL / DRAMA [Teppich]] French Revolution……

 

Sprecher:

Es ist bunt und laut geworden in der Vergangenheit. Man muss sich nicht mehr durch ellenlange Artikel quälen, die in ausufernden Fußnoten dann noch die unsichere Quellenlage diskutieren. Die Vergangenheit, das Leben berühmter Personen, wird unterhaltsam aufbereitet, in kleinen Einheiten verabreicht und immer reich illustriert. Aus Geschichte ist „History“ geworden.

 

Musik (Teppich), ganz kurz frei, dann unter Zitator

 

Zitator:

Obwohl körperlich wenig attraktiv, hatte Napoleon auf der Höhe seiner Karriere enormen Erfolg bei den Frauen. Neben zahllosen amourösen Eroberungen, mit denen er sich beweisen musste, gab es zwei Ehefrauen und eine ernsthafte Liaison mit Folgen. Seine Beziehungen zu Frauen waren jedoch immer mit politischem Kalkül verknüpft.

 

Sprecherin:

Großer Sonderteil Napoleon.

 

Sprecher:

So macht die Zeitschrift PM History ihre Ausgabe vom August vergangenen Jahres auf. Auf mehr als vierzig Seiten allerhand Wissenswertes über den französischen Kaiser: zum Beispiel seine Feldzüge, wie er deutsche Kunstschätze raubte und Kirchengut enteignete oder

 

Sprecherin:

Der Feldherr und das schwache Geschlecht.

 

Zitator:

Napoleons durchdringender Blick verharrt an jenem Abend jedoch nur auf einer einzigen Frau: Zwischen all den Damen in aufwändiger Garderobe trägt sie lediglich ein weißes Atlaskleid mit weißem Tüllüberwurf. In ihrem vornehmen blassen, von Locken umrahmten Gesicht mit den hellblauen Augen und dem einnehmenden Lächeln liegt eine vage Sehnsucht, ein Hauch Traurigkeit. „Weiß auf weiß macht sich nicht gut, Madame“, verkündet Napoleon ohne Galanterie. Doch dann beugt er sich zu ihr und flüstert ihr etwas ins Ohr.

 

6.      O-Ton (Priester)

Geschichte ist doch letztlich von Menschen geprägt. Menschen, die von Hass Liebe, Glücksgefühlen geleitet werden und wir versuchen dieser Lebendigkeit und Emotionalität von Geschichte nachzugehen und diese Fragen zu stellen an die Personen, an bestimmte Epochen und dann kommt man auch wieder dieser Idee nahe. Wie verwandt ist Geschichte der Vergangenheit mit der Jetztzeit. Dass man bisweilen dabei auf sehr aufwühlende Themen stößt, die man bewusst auch aufwühlend formulieren sollte ist ganz klar.

 

Sprecher:

Sascha Priester, stellvertretender Redaktionsleiter von PM-History. PM-History ist ein Ableger des populärwissenschaftlichen PM-Magazins, und mit jährlich über einer Million verkaufter Exemplare der Marktführer im Segment der Geschichtsmagazine.

 

7.      O-Ton: (Priester)

Wir möchten sowohl den interessierten Geschichtswissenschaftler an der Universität begeistern, aber auch denjenigen, der sich als, in Anführungszeichen, Laie für Geschichte begeistert und beide müssen ihren Spaß am Heft haben. Beide müssen verstehen um welche Geschichte es geht und das ist unsere Herausforderung.

 

Sprecher:

Sascha Priester ist studierter Archäologe und hat gerade eine umfangreiche Geschichte über Pyramiden beendet. Pyramiden und Pharaonen sind so etwas wie ein Dauerbrenner der Branche und kaum eines der sogenannten „Wissensmagazine“ verzichtet darauf, wenigstens einmal jährlich darüber zu berichten. Die beiden meistverkauften Hefte 2004 hatten allerdings die Kreuzzüge und die Urzeit zum Thema.

 

8.      O-Ton: (Priester)

Früher galten Titel wie Ägypten, Griechenland, Rom als Spitzenverkäufer. Heute ist dieser Automatismus nicht mehr gewährleistet. Mann muss sich immer wieder bemühen spannende Geschichte neu zu erzählen. Es kommt eher darauf an. Wie man als was man als Thema wählt.

 

Sprecher:

PM-History schreibt im Stil von Reportagen. Man ist bei den Ereignissen dabei. Es wird im Präsens formuliert.

 

Zitator:

Napoleon macht sich keine Illusion über seine Wirkung auf Frauen.

 

Sprecher:

Die Autoren schildern Details.

 

Zitator:

Die Nächte verbringen sie in einem mächtigen Himmelbett mit weinroten Damastvorhängen.

 

Sprecher:

... und scheuen auch die Superlative nicht.

 

Zitator:

Nach der Hochzeitsnacht jubiliert er: Eine Deutsche muss man heiraten. Sie sind die besten Frauen.

 

Sprecher:

Als Magazin ist PM-History stark von Illustrationen geprägt. Die Bildredakteure benutzen Zeichnungen, Malereien, Fotos quer durch die Genres und Epochen.

 

9.      O-Ton: (Priester)

Es nützt uns wenig wenn wir eine gute Geschichte haben zu einem Thema, dass sehr schwer zu bebildern ist. Allerdings kann ich auch sagen, wir haben bisher nie ein Problem gehabt Bilder zu finden, zu unseren Geschichten.

 

Sprecher:

Es mangelt vor allem deshalb nicht an guten Bildern, weil das Magazin umfassend auf Szenenfotos aus Spielfilmen setzt. Napoleon beispielsweise hat in der August-Ausgabe unter anderem das Gesicht von Manfred Krug und von Marlon Brando.

Der Zwang alles mit bunten Bildern versehen zu müssen, treibt manchmal kuriose Blüten. So wird die Säkularisierung der deutschen Klöster in der Zeit Napoleons unter anderem mit den „Bieretiketten“ von Franziskaner Weissbier, von Paulaner und der Augustinerbrauerei illustriert.

 

Sprecherin:

„Geschichte“, „Damals“, „Geo Epoche“ und „PM-History“ so heißen die vier wichtigsten populärwissenschaftlichen Zeitschriften, die in Deutschland auf dem Markt sind. Dazu kommt noch eine ganze Reihe sehr spezialisierter Hefte: Wie zum Beispiel „Karfunkel“, das sich mit dem Mittelalter beschäftigt, die Magazine und Heftchen, die den 2. Weltkrieg – vor allem die Waffen der beteiligten Armeen – behandeln und eine kaum zu überblickende Reihe esoterischer Veröffentlichungen, die immer wieder Exkursionen in die vorindustrielle Vergangenheit unternehmen.

Die großen vier der Branche haben trotz der Zeitungskrise stabile und teilweise recht hohe Auflagen. So verkauften sich die erfolgreichsten Hefte von „Geo Epoche“ bis 230.000 mal.

Auch wenn die Vielzahl der Titel  im Zeitschriftenhandel nicht immer eine echte Breitenwirkung belegt, Geschichte boomt derzeit am Zeitschriftenmarkt… und nicht nur dort.

 

Musik:

This Heat:

History repeats itself.

 

Sprecher:

Zielen die sogenannten Wissenszeitschriften eher auf ein männliches Publikum, richten sich die seit Jahren ebenfalls erfolgreichen Historienromane vor allem an weibliche Leser. Angefangen hatte alles mit „Der Name der Rose“

 

10.  O-Ton:

kurzer Ausschnitt aus Hörspiel „Der Name der Rose“.

 

Sprecher:

Schon bevor Umberto Eco 1982 seinen im späten Mittelalter angesiedelten Kriminalfall veröffentlichte, waren historische Romane in Deutschland erfolgreich. Bereits in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts erschienen im deutschsprachigen Raum fast 1000 Romane, deren Handlung in einer längst vergangenen Epoche angesiedelt war. Nach dem ersten Boom verflachten die Bücher jedoch. Die historische Epoche, in die die Handlung gelegt wurde, bildete nur noch das oberflächliche Kolorit für die immer gleichen Liebes- oder Abenteuergeschichten. Ecos „Name der Rose“ trat jedoch mit anderem Anspruch an. Das Buch gab einen auch wissenschaftlichen Standards genügenden Einblick in das Leben und Denken des späten Mittelalters …und wurde trotzdem ein Bestseller. Um die 30 Millionen Mal wurde das Buch weltweit verkauft und der historische Roman kam zu neuer Blüte. Seitdem bevölkern Alchimisten, Zauberer, Minnesänger und allerhand mittelalterliche Ärzte die Bestsellerlisten. Die literarische Qualität vieler dieser Bücher ist umstritten. Sehr oft handelt es sich um historisierende Varianten des in Deutschland so populären Krimis - nur das der Mordfall und seine Auflösung statt auf 200 auf 500 - 600 Seiten stattfindet. Die Verlage geben ihren Autoren vor zwischen 400 und 800 Seiten zu schreiben. Die Kunden erwarten für elf Euro ein backsteinbreites Buch, ab 800 Seiten werden sie jedoch schwer zu lagern. Dass die Werke diesen profanen Kriterien genügen muss tut dem Erfolg keinen Abbruch. Als das ZDF die „besten Bücher aller Zeiten“ wählen ließ, waren unter den ersten 20 Plätzen sieben sogenannte historische Romane.

 

11.  O-Ton:

Ausschnitt: „Name der Rose“

 

Sprecher:

Dass dabei die Grenze zwischen erfundener und wissenschaftlich rekonstruierter Vergangenheit verschwimmt, ist vor allem für Wissenschaftler ein Problem. Schriftsteller bedienen sich dankbar des vorgefundenen Materials.

 

Sprecherin:

Der Roman zur Vergangenheit ist für die Verlage ein lukrativer Markt geworden.

 

In den letzten fünf Jahren wurden in Deutschland jährlich etwa 1.300 historische Romane aufgelegt. Einer Studie des Börsenvereins des deutschen Buchhandels zufolge interessieren sich 10% aller Leser explizit für diese Literaturgattung. Angesichts der Zersplitterung der Interessen der Leserschaft ist dies ein durchaus großes Segment. Übertroffen wird das Genre in der Publikumsgunst nur von den „heiteren Romanen“ und den „Krimis“.

 

Sprecher:

Sind auf dem Zeitschriftenmarkt 100.000 Leser durchaus eine beachtliche Größe und 30.000 verkaufte Titel eines historischen Romans ein Erfolg, fängt man im Leitmedium unserer Zeit, dem Fernsehen, bei solchen Größenordnungen überhaupt erst zu zählen an.

 

Atmo 3: [kurz frei, dann unterlegen]

Dramatische Musik Ausschnitte aus „Hitler, eine Bilanz“

 

12.  O-Ton: (Knopp)

Ich denke da ist der Quantensprung was Geschichtsvermittlung betrifft im Jahre 95 erfolgt, als wir mit unserer Reihe „Hitler- Eine Bilanz“ auch neue Formate angegangen sind.

 

Sprecher:

Die sechsteilige Dokumentation „Hitler – Eine Bilanz!“ von Guido Knopp berichtete über Kindheit und Jugend Hitlers und zeichnete ihn als Verführer der Massen, Erpresser anderer Staaten, Massenmörder. Die Filme waren inhaltlich nicht unumstritten. Einige Kritiker fragten, was so viel Nähe und Einfühlung zur Person Hitler eigentlich für das Verständnis des Nationalsozialismus brächte und ob die Deutschen als „Verführte“ nicht doch etwas zu gut wegkämen. Vor allem aber wurde die Machart der Dokumentation kritisiert. Zum Beispiel in der Stuttgarter Zeitung:

 

Zitator:

Es gibt keine Bilanz zum Thema Hitler. Vollends nicht im Film, der von der Optik diktiert wird. Kein Mittel der Dramatisierung kann er auslassen. Damit wird unweigerlich alles erstickt, was einer intensiven Erkundung der Fakten angemessen wäre, damit es nicht einfach bei der bloßen Verdammung bleibt, die so billig zu haben ist.

 

13.  O-Ton: (Knopp)

Ach ja, Gott. Wissen Sie, der Bereich der Zeitgeschichte ist ja in der deutschen Erinnerungskultur gerade der Nazizeit, ja automatisch Streitgeschichte. Und es ist völlig natürlich, dass wir mit dem wirkungsmächtigsten Medium Fernsehen, das Millionen bei der Behandlung der Themen erreicht, da natürlich mittendrin sind.

 

Sprecher:

„Hitler – eine Bilanz“ fiel vor allem durch die schnelle Montage auf, die kurze Ausschnitte aus alten Filmaufnahmen und aktuell aufgenommene Zeitzeugenaussagen in hohem Tempo aneinander reihte. Die ganze Dokumentation wurde von dramatisierender Musik begleitet und einem Moderator, der prägnante Sätze sprach.

 

14. O-Ton: (Filmausschnitt)

MUSIK Ausgezogen als Versager kehrte er heim als Staatschef, in die alte Volksschule nach Fischelham. Ein Junge aus dem Inn-Viertel. Wien ist weit, man neigt zu Deutschland, er vor allem. Drei ältere Geschwister streben früh. Um so mehr vergöttert Clara Hitler ihr viertes Kind. Adolf Hitler ist ein Muttersöhnchen AKZENT!!!

 

Sprecher:

Dem Publikum gefiel es. Mit fünf Millionen Zuschauern, was einem Marktanteil von 22% entsprach, wurde „Hitler- Eine Bilanz“ ein großer Erfolg für das ZDF. Auch finanziell - der Sechsteiler lief auch im Ausland gut.

 

15. O-Ton: (Knopp)

Bis vor 10-12 Jahren war die BBC in diesem Bereich eigentlich der einzige global player. Auch was deutsche Geschichte betraf. Das lag daran, dass in Deutschland Geschichte eher trockener rüber gebracht wurde. Wir haben das hier im ZDF geändert

 

Sprecherin:

Der amerikanische Discoverychannel und die britische BBC sind die bedeutendsten Produzenten von sogenanntem Info- und Edutainment fürs Fernsehen. Popularisierte Geschichtsdarstellungen, auf diesem Markt als „Historytainment“ gehandelt, haben auch hier im Laufe der Jahre an Bedeutung gewonnen. Viele Großproduktionen werden inzwischen international vermarktet. Sie müssen sich sogar weltweit verkaufen, denn durch die aufwändigen Spielszenen und die, an Hollywoodstandards orientierten Aufbauten und Animationen, sind die Kosten für solche Produktionen enorm gestiegen.

Zwar wirken Deutsche Fernsehanstalten traditionell bei vielen Produktionen mit, denn sie verfügen über gutes Bildmaterial zu den international immer gefragten Themen „Zweiter Weltkrieg“ und „Nationalsozialismus“, aber als Hersteller solcher Dokumentationen traten sie kaum in Erscheinung. Seit Guido Knopps Dokumentation „Hitler – Eine Bilanz“ ist zumindest das ZDF ein bekannter Akteur auf dem Markt geworden. „Hitlers Helfer“ wurde sogar in 42 Länder verkauft. Bei Themen jenseits des Nationalsozialismus fällt das Interesse allerdings deutlich geringer aus.

 

16. O-Ton: (Knopp)

Unsere ausländischen Partner von Japan bis Australien haben leider überhaupt kein Interesse an noch so schön gemachten Dokumentarfilmen aus unserem Hause – etwa eine Reihe, die ich liebe, über die Geschichte der Kanzler: „Kanzler – Die Mächtigen der  Republik findet kaum Interesse. Das ist unsere Geschichte. Wir müssen das machen. Für uns ist das interessant und wichtig. Auch identitätsstiftendes Element für die Nachkriegszeit, aber draußen hat man daran kein Interesse.

 

Sprecherin:

Draußen, das sind vor allem die USA, der größte und lukrativste Fernsehmarkt der Welt. Hier gibt es für den geschichtsinteressierten Fernsehzuschauer seit 1995 sogar einen Fernsehkanal, der sich ausschließlich mit Geschichte befasst: „The Historychannel“. Seit November letzten Jahres, hat dieses Programm auch einen deutschen Ableger. Sebastian Wilhelmi Pressesprecher der „Get on Air GmbH“, die für die Einführung des Historychannel in Deutschland verantwortlich ist.

 

17. O-Ton: (Wilhelmi)

Der Historychannel Deutschland ist einer der Historychannel weltweit die bereits in 130 Ländern existieren, gehört zur AETN, das ist die Art and Entertainment Television- Networks-Gruppe mit Sitz in New York wiederum ein Unternehmen von Hearst ABC und NBC. Der Historychannel in  Deutschland ist ein komplett deutschsprachiges Programm. Er wird 24 Stunden am Tag gesendet und bestückt sich aus einem 4000 Programmstunden Katalog.

 

 

Sprecherin:

Das Programm des Historychannel speist sich aus verschiedenen Quellen - unter anderem liefert auch das ZDF zu. Umgekehrt präsentiert Guido Knopp seit drei Jahren jeden Sonntag das Magazin „ZDF-History“, das vom Historychannel bestückt wird. So etwas können die deutschen Zuschauer seit November letzten Jahres jeden Tag sehen. Thomas Vink ist einer der Verantwortlichen für die Programmplanung des deutschen Ablegers des Historychannel.

 

18.  O-Ton: (Vink)

Wir haben die Wochentage thematisiert. Das heißt der Montag steht im Zeichen der Mysterien der Geschichte, Dienstag ist unser sogenannter „Hi-Tech-Tag“ dort läuft zum Beispiel eine Serie, die da heißt: Erst taktisch, dann praktisch. Da werden zum Beispiel Themen beleuchtet: Taktisch war der Einsatz von bestimmten Dingen, die im Krieg zunächst vom Militär benutzt wurden. [Regie: ab hier unter Sprecherin wegblenden] Der Mittwoch steht für moderne Wunder: Dort findet man dann Informationen über moderne Bauwerke über technische Errungenschaften und so weiter. Donnerstags ist die Zeitmaschine. Dort wird meist ein Thema behandelt welches sich über den ganzen Abend erstreckt. Also monothematisch. Freitag steht im Zeichen von Angriff und Verteidigung. Das heißt dort werden Konflikte und ihrer Hintergründe beleuchtet und am Samstag ist das Historywochenende und dort findet man Biography, Biographien. Dokumentationen zu besonderen Leuten der älteren und auch neueren Geschichte.

 

Sprecherin:

Der größte Teil des Programms sind direkte Übernahmen vom amerikanischen Historychannel, die in Deutschland lediglich synchronisiert werden. Es gibt die sogenannten „Mysterien“ - der Bau der Pyramiden, der Gral, dunkle Kulte; es gibt große Personen: Napoleon, Alexander, Cäsar, es gibt die Ikonen des 20. Jahrhunderts, Marylin Monroe, John F. Kennedy, Albert Einstein. Darüber hinaus gibt es immer wieder den 2. Weltkrieg und Waffentechnik aus allen Zeiten. Jonathan Taplin, Filmproduzent und Professor der Annenberg-Schule für Journalismus in Los Angeles beobachtet eine generell starke Präsenz des Militärischen im Geschichts - TV der USA.

 

19. O-Ton: (Taplin)

Es gibt ein Publikum für Militärgeschichte in diesem Land. Deshalb hat Discovery das Programm für Flugzeuge geschaffen. Es ist vor allem Material von Schlachten aus dem zweiten Weltkrieg. Ich finde es erstaunlich, dass das Publikum dafür groß genug ist, um den Satelliten dafür zu bezahlen. 

 

Atmo 4:

Military History channel

 

Sprecher:

Die Faszination für Waffen- und Krieg reicht so weit, dass der Historychannel USA jetzt einen neuen Ableger gegründet hat, den „Military Historychannel“, der sich ausschließlich dem Militär widmet.

 

Sprecher:

Zumindest das deutsche Programm kommt da noch etwas ziviler daher.

 

Sprecherin:

Zwar präsentiert sich der Historychannel als ein Programm, das allen historisch Interessierten etwas bieten will, das Programmprofil ist jedoch eher auf ein männliches Publikum ausgerichtet. Sebastian Wilhelmi

 

20. O-Ton: (Wilhelmi)

Wenn sie jetzt die Serie Biography nehmen, da sind auch Serien über Eva Braun oder Anne Frank oder Amelia Earhart. Das sind Themen, die sicherlich für das männliche Zielpublikum nicht so geeignet sind. Also wir versuchen da wirklich ein ausgewogenes Programm zu bieten, aber wir sind uns natürlich bewusst, dass Männer grundsätzlich, was die Marktforschung uns an Informationen geliefert hat, die griffigere Zielgruppe sind für ein solches Programm.

 

Sprecher:

Die Liste der Länder in die der Historychannel ausstrahlt umfasst inzwischen 130 Länder - seit Mitte letzen Jahres wird auch in Spanisch gesendet. So ist es möglich, dass sich an bestimmten Tagen Millionen von Zuschauer in aller Welt mit demselben historischen Ereignis beschäftigen. Zum Beispiel mit der Französischen Revolution, der im März weltweit ein Tag gewidmet wird.

 

Atmo 5:

“It wont kill you to love the french for two hours”…

 

21. O-Ton: (Wilhelmi)

The Historychannel in den USA ist sich durchaus bewusst, dass sie einen Katalog erstellen müssen, der 130 verschiedene Länder Gültigkeit besitzen muss. Das heißt, auch amerikanische Themen werden durchaus neutral dargestellt, und auch dort herrscht die wissenschaftliche Basis der Themen vor. Das heißt, politische Färbung gibt  es generell nicht, sondern man versucht politisch neutrales Material anzubieten.

 

Sprecherin:

Ob man wirklich neutral und standortlos vom Koreakrieg berichten kann, von der Geschichte des Irak oder Darwins Evolutionstheorie – alles in den USA sehr konfliktbeladene Themen - ist die Frage. Und auch darüber, wo Militärgeschichte aufhört und wo Militarismus anfängt, gibt es sehr unterschiedliche Meinungen.

Grundsätzlich meidet ein weltweit agierender Sender allerdings schon aus Geschäftsinteresse sehr pointierte Positionen und versucht eher den kleinsten gemeinsamen Nenner zu treffen.

Wer auf dem Weltmarkt für Infotainment bestehen will muss seine Sendungen so aufbauen, dass sie von Zuschauern in aller Welt verstanden und akzeptiert werden. Guido Knopp hat viele solcher Sendungen produziert. Zum Beispiel „Hitler - Eine Bilanz!“

 

22. Atmo 6: (Hitler – Eine Bilanz)

Im Frühjahr 1941 zieht sich Hitler in sein Bergidyll zurück. Und hier reift sein Entschluss…

 

23.  O-Ton: (Keilbach)

Man sieht immer: Es sind einzelne Einstellungen. Also, es ist eine Einstellung von Leni Riefenstahl dabei. Es ist eine Einstellung aus irgendeiner Wochenschau dabei. Es gibt Fotomaterial in das dann hereingezoomt wird. Es gibt verlangsamtes Bildmaterial. Also, es gibt schon Aufwand.

 

Sprecher:

Judith Keilbach, Filmwissenschaftlerin an der Freien Universität Berlin hat sich mit den Geschichtsdokumentationen im Fernsehen und im Kino beschäftigt.

 

24.  O-Ton. (Keilbach)

Fernsehintern ist so meiner Ansicht nach, dass das Fernsehen in den letzten Jahren eh sehr stark auf Geschichte setzt, also auch festgestellt hat, dass Geschichte ein Thema ist, dass sozusagen leicht zu produzieren ist, weil man einfach Sendematerial hat, entweder man hat’s noch im Archiv, weil das eben Ereignisse waren, die man live berichtet hat. Es ist kostengünstig zu produzieren, man hat dann zum Beispiel auch einzelne Sequenzen schon produziert, die dann immer wieder wiederholt werden, also es gibt einzelne Sendungen, wo man wirklich merkt, da sind Sequenzen, drei Minuten, sieben Minuten teilweise, die dann wirklich als Sequenz immer wieder auftauchen mit nem anderen Kommentar, aber eigentlich so geschnitten werden sie weiterverwertet.

 

Sprecher:

In Hitler – Eine Bilanz wurden viele inzwischen zum Standard gewordenen Stilmittel erstmals in einer Deutschen Dokumentation umfassend eingesetzt.

 

Montage aus Auschnitten „Hitler – Eine Bilanz“ und O-Töne Keilbach

Atmo 7: (hochfahren/ in die Dialoglücken die folgenden O-Töne einsetzten)

 

25. O-Ton: (Keilbach)

Es sind alles Bilddokumente die wir so schon kennen.

 

Atmo 7: (Bilanz)

 

26. O-Ton: (Keilbach)

 

Die haben wirklich einzelne Einstellungen verwendet und dann nachvertont. Also zum Beispiel diese Klappern der Stiefel

Atmo 7 : (Bilanz)

 

27. O-Ton: (Keilbach)

Auffällig fand ich an dem Material auch dass er Farbmaterial verwendet und dort die Farbe rausdreht. Also, die Aufnahme von Hitler auf der Terrasse ist eigentlich Farbmaterial. Das kennt man eigentlich aus anderen Sendungen und 95 gibt es einfach keine Farbe in den historischen Dokumentarsendungen. Es sein denn es geht um Schrifteinblendungen. Da gibt es dann so rote Zwischentitel usw. schwarzweiß bedeutet in diesem Fall einfach noch: es ist Geschichte, es ist Vergangenheit. Also dass visuelle Merkmal bis Mitte der 90er Jahre war: Geschichte ist schwarzweiß. Und das hat sich jetzt eben radikal verändert.

 

Sprecher:

Heute ist Geschichte im Fernsehen meist bunt, mit breiten Musik- und Geräuschteppichen unterlegt. Es wird personalisiert, dramatisiert und emotionalisiert. Die Einstellungen sind kurz, nicht einmal die Zeitzeugen, kommen länger als 30 Sekunden zu Wort. Frank Schirmacher, Herausgeber der FAZ, rechnete mir dieser Art von Geschichtsschreibung radikal ab.

 

Zitator:

Die neue ZDF-Ästhetik verbindet Goebbels Wochenschauen mit Hollywoodreizen – Musik, Sprecher, Plot ; - investigativem Journalismus : „neue Dokumente“, „erstmals zugängliche Quelle“, „unbekannte Filmaufnahmen“ - und der definitorischen und psychologischen Unempfindlichkeit von Seifenopern. Es geht jetzt alles durcheinander, nicht nur Fiktion und Dokumentation, Texte oder Musik, sondern auch die Linearität des dokumentarischen Erzählens. Es sollen die Hersteller dieser Sendungen reden von Marktanteil, Quote, Reichweite und Remmidemmi; aber sie sollen schweigen von historischer Aufklärung.

 

Sprecher:

Genau dies  tun die Hersteller nicht. Guido Knopp.

 

28.  O-Ton: (Knopp)

Also, Seifenoper ist in der Regel weniger dramatisch als eine Dokumentation zum Thema Goebbels um jetzt mal den Vergleich aufzugreifen. Wenn Geschichte dramatisch ist, dann ist es ja ein Unding sie undramatisch darzustellen. Es liegt eher ganz unterschwellig davor eine ganz andere Vorstellung von dem was Dokumentation ist, sein kann oder sein sollte. Natürlich gibt es die Dokumentation, die ohne Musik auskommt, die unfilmisch ist, die sehr nüchtern sehr sachlich irgend etwas darstellt. Das gibt es und gab es im ZDF natürlich auch. Aber mit dieser Dokumentation können sie nicht um 20.15 Uhr in der Hauptsendezeit gegen Kinofilme, gegen Unterhaltungsshows und gegen Fernsehserien bestehen. Sie müssen auf dem Platz, den wir ja erkämpft haben mit unseren Mitteln und vor allem wegen unserer Stilmittel – 20.15 Uhr Primetime – wir sind übrigens der einzige Sender in Europa der sich das erlaubt und der sich das erlauben kann – mit unseren Mitteln auch Zuschauer gewinnen. Dass wir da natürlich Fernsehen und eine historische Begebenheit so dramatisch einerseits und so präzise andererseits darstellen, wie es der Situation in der Menschen standen entspricht. Nur so ist Geschichte etwas was nicht nur die Sinne sondern auch die Herzen der Zuschauer erreicht. Und das tun wir. Und das macht Geschichte, Geschichte Vermittlung im Fernsehen so erfolgreich, weil es keinen Bogen um die Emotionen schlägt.

 

Sprecher:

Auch Judith Kleinschmidt findet den Vorwurf, dass das Fernsehen anstatt Geschichte Remmidemmi veranstaltet unsinnig.

 

29.  O-Ton: (Keilbach)

Ich würd halt immer sagen, das ist Fernsehen und das sind die Gesetzmäßigkeiten des Fernsehens und Fernsehen funktioniert so.

 

Sprecher:

Emotionalisieren, Dramatisieren und Personalisieren. Dies sind die Mittel des Fernsehens im Kampf um die Zuschauer und es hat sich herausgestellt, dass die Mixtur, die die neuen Infotainmentformate angerührt haben, in diesem Sinne gut funktioniert.

 

30. O-Ton: (Knopp)

Man muss aus der Darstellung des Besonderen, des Einzelereignisses. Rückschlüsse auf das Allgemeine ziehen können. Das ist eigentlich das, was Geschichte im Fernsehen kann. Geschichte im Fernsehen sollte keine Epochen darstellen, sollte keine Strukturen darstellen. Sie kann es zwar, aber dann nutzt sie nicht die Stärken des Mediums. Die Stärke des Mediums Fernsehen ist das Beispiel: Ist der Ausschnitt von irgendetwas , ist der Wendepunkt. Das ist die Stärke von Fernsehen.

 

Sprecher:

Populäre Geschichtsschreibung stellt Personen in den Vordergrund. Auf der einen Seite stehen die wichtigen Leute – meist Männer – die die Entscheidungen fällen, auf der anderen Seite die Zeitzeugen, die das dann erleiden oder umsetzen müssen. Eine zeitgeschichtliche Dokumentation ohne  Zeitzeugenberichte ist kaum mehr vorstellbar.

 

31. O-Ton: (Knopp)

Das Dokumentarische, das durch einen Kommentar eingebunden wird. Das ist sozusagen die Botschaft der Wissenschaft, die in Publizistik umgesetzt wird. Das, was die Zeitzeugen sagen ist das subjektive, das warme Element der menschlichen Erinnerung. Beides zusammen bildet ja eine Dialektik. Das kalte Prinzip von History, wenn ich es mal so formulieren will und das eher warme Prinzip von Memory zusammen genommen und verbunden auch noch mit Bildern von Schauplätzen oder assoziativen Bildern oder gar von szenischen Elementen , die zeigen, wie etwas gewesen ist , wenn etwas dokumentarisch belegt ist. Das macht Geschichte spannend.

 

Sprecher:

Ohne Zeitzeugen geht nichts mehr, obwohl es klar ist, dass man deren Berichten und Erlebnissen nur sehr beschränkt glauben darf. Viele Erinnerungen sind nach häufigem Erzählen schon zur Anekdote geworden, die zur Pointe hin erzählt wird. Kein Zeitzeuge hat Interesse daran sich selbst in schlechtes Licht zu setzen – gemordet und misshandelt haben immer andere. Nützliche Informationen zu liefern ist allerdings auch gar nicht ihre Aufgabe. Sie müssen Emotionen hineinbringen. So wie die Zeitzeugen, die anlässlich der Erinnerung an den D- Day, dem Jahrestag der Landung der Alliierten in der Normandie, zu sehen waren. Auf allen Kanälen, inklusive der BBC gab es die gleichen alten Männer zu sehen, die mit sichtlicher Rührung berichteten sie vom Töten und Sterben am Omaha- Beach erzählten. Der Kamera entging nichts. Judith Kleinschmidt:

 

32. O-Ton: (Keilbach)

Die rücken tatsächlich auch immer weiter nach vorn. Also die Einstellungen rücken immer näher ans Gesicht ran, so dass man eigentlich jede emotionale Spur also gewissermaßen jedes Zucken des Mundes sehr stark sehen kann. Das ist eben auch ein Verfahren noch mal Emotionalität herzustellen um auch uns als Zuschauer anzubieten, wenn wir da jetzt mitfühlen, mitleiden, wenn wir jetzt sehen, da hat jetzt einer gerade schwer damit zu kämpfen die Tränen zu unterdrücken.

 

Sprecher:

Auf allen Ebenen werden Mittel, die früher dem Spielfilm oder Fernsehserien vorbehalten waren, eingesetzt. Von daher ist es nur konsequent, dass immer mehr Szenen direkt nachgedreht werden. Manchmal sind es nur kleine Elemente. Etwa die schweren Lederstiefel, die über einen langen halligen Flur gehen, die Flügeltür, die sich zu einem Konferenzsaal hin öffnet oder das Cognacglas auf dem Kaminsims, das signalisiert, dass die Teilnehmer der Konferenz, von der der Moderator berichtet, zum geselligen Teil übergegangen sind. Solche Bilder sind auch insofern beliebt, als sie einfach und preisgünstig herzustellen sind.

Aufwändiger sind Szenen mit Darstellern, etwa die Entführung Adolf Eichmanns durch den israelischen Geheimdienst oder die Verbrennung eines Ketzers. Jonathan Taplin:

 

33. O-Ton: (Taplin)

englisch

 

Zitator: (voice over):

Als sie angefangen haben, neu Sachen selbst zu produzieren, haben sie angefangen, mit der Idee des ‚Nachspielens’ von Ereignissen zu experimentieren. Für klassische Dokumentarfilmer war das ein absolutes Tabu. Aber manches hat funktioniert. Zum Beispiel: das Sexualleben von Präsident Thomas Jefferson. Da haben sie Szenen mit der schwarzen Sklavin, die seine Geliebte war,  nachgespielt. Das kam beim Publikum an. Also haben sie mehr in die Richtung produziert. Haben nicht auf die klassischen Dokumentarfilmer gehört, für die das die schrecklichste Sache der Welt war. Sie haben es gemacht und hatten Erfolg.

 

Sprecher:

Der Informationsgehalt dieser Nachinszenierungen ist dabei meist nebensächlich. Sie dienen rein der Herstellung von Spannung und Emotionalität. Judith Keilbach:

 

34.  O-Ton: (Keilbach)

Interessant finde ich eben bei diesen Nachinszenierungen, also zumindest in den dokumentarischen Sendungen, dass sozusagen die Schauspieler ausgeblendet werden, also in den dokumentarischen Sendungen sehen wir häufig nur angeschnittene Figuren, also wir sehen beim Fallschirmabsprung von Hess zum Beispiel die Stiefel, aber wir sehen eben nicht das Gesicht. Also eigentlich ist das häufig auch aus einer subjektiven Perspektive, also wenn Hess abspringt mit seinem Fallschirm, dann schauen wir durch seine Augen, also wir als Zuschauer werden gewissermaßen zu nem Nazi gemacht, der jetzt grad mit dem Fallschirm abspringt. was mer davon hält, dass mer jetzt plötzlich in ne Naziperspektive gezwungen wird, auch die Frage, warum muss ich das denn eigentlich nachvollziehen wollen können sollen, das ist ja noch mal ne andere Frage, wo ich auch sagen würde, den Sendungen würde manchmal ne Distanz ganz gut tun.

 

Sprecher:

Sogenannte Dokudramen, wie das Deutschlandspiel von Heinrich Breloer, wo sich Szenen eines dargestellten Helmut Kohl mit Bildern und Statements des realen abwechselten oder „Der Aufstand“ einem Film über den 17. Juni haben die Grenze weiter verschoben. Am anderen Ende des Spektrums stehen komplett neu gedrehte Filme über Epochen, aus denen es keine Bilder gibt - etwa über den immer populären Bau der Pyramiden oder das alte Rom. Die Produzenten dieser aufwändigen, für den internationalen Markt gemachten Filme sind manchmal die gleichen wie die der Hollywoodfilme – und tatsächlich ist es von dort auch nicht mehr weit bis zu „Gladiator“ oder „Troja“, denn bis zu einem gewissen Grad nehmen auch diese Filme für sich in Anspruch, ein authentisches Bild der Vergangenheit zu zeichnen, dies gilt allerdings oft weniger für die Handlung als für die Ausstattungsdetails. Wolfram Siemann von der Universität München.

 

35.  O-Ton: (Siemann)

Ich bin der Meinung, auch Produktionen mit viel Fiktion oder Spielfilmcharakter möchten davon profitieren, dass es glaubhafter wirkt. Es ist einfach spannender und identifizierungsträchtiger, wenn etwas schon mal da gewesen ist und beglaubigt ist, als wenn man es neu erfindet, und bietet insofern eine größere Nachempfindungs- und Identifikationsfläche.

 

Sprecher:

Mit enormem Aufwand versuchen die Produzenten von Historienfilmen einerseits im Detail historisch korrekt zu sein, etwa in der Kleidung der Darsteller oder den Bauten. Andererseits sind sie bei Gestaltung der Handlung und der  Charaktere ganz den Bedürfnissen der Gegenwart verpflichtet. Sie borgen sich so etwas Glaubwürdigkeit aus Geschichte, was sie gegenüber rein fiktionalen Stoffen dann abhebt. Glaubwürdigkeit aus der Geschichte borgt sich auch eine Variante von „Big Brother“ mit der die ARD letztes Jahr großen Erfolg hatte.

 

Musik: [Regie: unterlegen]

Abenteuer 1900

 

36. O-Ton: (Ausschnitt Abenteuer 1900)

Mamsell gibt Anweisungen

 

Sprecherin:

Ein Gutshaus bei Beelitz in Mecklenburg. Die Mamsell weist dem unteren Gesinde seine Aufgaben zu. Der Stallbursche, die Küchenmagd und das Stubenmädchen setzen ihre Anweisungen widerspruchslos um. Sie akzeptieren die Hierarchie, hinterfragen nicht und machen keine Verbesserungsvorschläge. Sie machen praktisch nichts von dem, was man von modernen engagierten Angestellten erwartet und Millionen Deutscher Fernsehzuschauer gucken ihnen dabei zu.

 

37. O-Ton: (Abenteuer 1900 Fortsetzung)

Mamsell gibt Anweisungen

 

Sprecherin:

Die Serie „Abenteuer 1900“, in der 20 Bewohner des 21. Jahrhunderts einige Wochen so taten, als lebten sie Anfang des 20. Jahrhunderts, war einer der Erfolge der ARD 2004 und ein Nachfolgeprojekt ist bereits in Arbeit. Anders als „Big Brother“ und seine Ableger trat „Abenteuer 1900“ mit aufklärerischem Anspruch an. Der Zuschauer konnte, so das Versprechen, hier auch etwas lernen, etwa, dass ein Roggenbrot um 1900 28 Pfennig kostete, ein Hausbursche 23,00 Mark verdiente und dass es ein hartes und karges Leben war, dass ein Bediensteter damals führte. Sehr viel tiefer reichte der Einblick, den das Fernsehen in das Leben der Menschen von 1900 gab, zwar nicht, doch der Erfolg zeigte immerhin das ausgeprägtes Bedürfnis, dass die Zuschauer nach nachvollziehbarer und anschaulicher Geschichte haben. Abenteuer 1900 war die Fernsehversion der sogenannten „living history“, der „erlebten Geschichte“ die seit einiger Zeit auch in Deutschland boomt. Normale Bundesbürger treffen sich, in mehr oder minder exotische Gewänder gehüllt, auf antiken Festen, stellen Kämpfe gegen napoleonische Heere nach oder versuchen an einem Wochenende das Leben einem mittelalterlichen Dorf nachzuempfinden. Das ist historisch zwar höchstens mal im Detail korrekt, tut der Begeisterung aber keinen Abbruch.

 

Musik:

This Heat: History Repeats itself

 

Sprecher:

Das Interesse an Geschichte hat offenbar auf allen Ebenen zugenommen. Seit der Staufer- Ausstellung in Stuttgart 1977 verzeichnen Ausstellungen zu historischen Themen wachsendes Interesse. Erst letztes Jahr besuchten 130.000 Menschen eine Ausstellung zur Geschichte der Kreuzzüge in Mainz, und auch eine Ausstellung über die Bronzezeit in Halle konnte sich des Ansturms kaum erwehren. Für den Göttinger Historiker und Publizisten Karlheinz Weißmann ist das eine paradoxe Folge des Verlustes vieler Traditionen.

 

Zitator:

Wir schätzen zwar unserer Unabhängigkeit, auch und gerade in Hinblich darauf, Überlieferungen anzuerkennen oder zu verwerfen, aber wir leben gleichzeitig mit dem Gefühl des Unbehaustseins. Die Zeit, von der uns als Lebenszeit so sehr viele mehr zur Verfügung steht als unseren Vorfahren, läuft rasch und hinterlässt uns mit dem Gefühl, dass sie ohne Struktur bleibt, vielleicht individuelle Höhepunkte, aber keinen Rhythmus von Fest und Alltag, wie man ihn in früheren Kulturen besaß. Daher rühren unsere Nostalgien, aber eben auch das Breiteninteresse an der Geschichte.

 

Sprecher:

Und weil diesem Interesse bei den traditionellen Vermittlern historischer Bildung wenig entgegengekommen wird, sucht sich das Publikum andere Quellen.

 

Zitator:

Wenn Schulbücher in Abstraktion und Statistiken schwelgen und Erzählung und Anekdote verbieten und die Zunft der Historiker ihre Heil in methodischen Debatten oder moralischer Belehrung sucht, dann lassen sich Umwege finden, die auch zum Ziele führen, dann wird das Bild der Geschichte eben von denen geprägt, die dem Publikum bieten, was es verlangt.

 

Sprecher:

Die erste Prägung des Geschichtsbildes findet jedoch nach wie vor an den Schulen statt. Das Interesse der Schüler an Geschichte hat sich, glaubt man den Fachlehrern, trotz Historyboom kaum verändert.

 

Atmo 8: [Regie: evtl. unter ganze Schulpassage legen]

Unterricht

 

Sprecherin:

Geschichtsunterreicht am Lessinggymnasium im Berliner Stadtteil Wedding. Es ist ein Leistungskurs, das heißt die neun Schüler das Fach fünf Stunden in der Woche haben und dass sie es wie der 20jährige Tonio Knies selbst gewählt haben:

 

38.  O-Ton: (Knies)

Ich hab Geschichte schon immer zu meinen starken Fächern gezählt, war eigentlich schon immer geschichtlich interessiert, auch schon in den Jahren davor.

Wenn man Geschichte versteht und sich mit der Geschichte befasst kann man auch viele Sachen auf die heutige Zeit zurückverfolgen. Dass Cäsar zum Beispiel den heutigen Kalender eingeführt hat, der heut immer noch gültig ist und so was, also so ne Tendenzen kann dann doch immer wieder feststellen.

 

Sprecherin:

Tonio hat gerade eine kurzes Referat über Julius Cäsar gehalten, und unter sanftem Druck des Lehrers diskutieren die Schüler nun darüber, wie es Cäsar mit der Republik hielt.

 

Atmo 8 KURZ FREI

 

Sprecherin:

Der Referent verteidigt Cäsar gegen den Verdacht, dass der die Republik abschaffen, und sich zum König erklären lassen wollte. Die Kritiker würden übersehen, was er für das Volk, das ihm noch nicht einmal gedankt habe, alles getan hatte. Es ist keine feurige Diskussion. Die Schüler argumentieren weil sie argumentieren sollen. Sie sind sachlich und wenden dabei das frisch erworbene Wissen an. Vom vielzitierten Zeigefinger ist hier wenig zu spüren, auch wenn das Ganze natürlich in den Bahnen verläuft, die der Lehrer vorgegeben hat.

Nach der Diskussion über das Referat bekommen die Schüler jeweils ein Papier auf dem einige Quelltexte abgedruckt sind – teilweise sehr widersprüchliche Aussagen über Person und Wirken Cäsars. Wie seit Jahrzehnten üblich müssen die Schüler trockene Textarbeit leisten. Von multimedialer Vermittlung, von Veranschaulichung durch Bilder oder Töne keine Spur - und das liegt ausnahmsweise mal nicht an fehlenden Mitteln.

 

39.  O-Ton: (Freund)

Darauf verzichte ich nicht. Das heißt nicht, dass ich das andere ganz lasse. Also wir haben schon Internetrecherche gemacht, wir haben schon Film eingesetzt. Wir haben auch so populärwissenschaftliche Zeitungen eingesetzt. Wir nehmen auch ernst zu nehmenden wissenschaftliche Zeitungen zu Hilfe. Also ein ganz breites Spektrum, aber in Phasen wo man ganz konkret etwas erarbeiten muss wo man auch gesicherte Ergebnisse haben will und wo die Schüler wirklich ein abwägendes Urteil fällen sollen, da verzichte ich auf den Text ganz bewusst nicht, also muss der Text einfach sein.

 

Sprecherin:

Die Beschäftigung mit Geschichte kostet die Schüler Mühe. Sie müssen aus den Texten das herausextrahieren, was für die von Gerhard Freund vorgegebene Fragestellung relevant ist. Es gibt Information und Edukation - von Entertainment ist wenig zu sehen. Hier wird Geschichte unterrichtet, nicht History. Dennoch sind die meisten Schüler davon überzeugt, das dass sich der Aufwand lohnt: Jolita Sander:

 

40.  O-Ton: (Sander)

Mühselig schon aber auch eben ziemlich interessant, weil man vor allem mit Originalquellen dann auch die zeitgenössische Meinung dann mitbekommt. Mann muss eben selber auch einen Blickwinkel erstellen und nicht einfach vorgekautes Wissen einfach lernen.

 

Musik:

This Heat: History Repeats itself

 

Sprecher:

Zu Ermitteln und zu Beschreiben wie es eigentlich war, dies ist nach Leopold Ranke, einem Historiker des 19. Jahrhunderts, die Aufgabe der Geschichtswissenschaft. Er war einer der Begründer des Historismus, einer Schule, die sich absoluter Objektivität gegenüber dem Forschungsgegenstand verpflichtet sah. Diesem Anspruch fühlt sich auch das moderne Historytainment verpflichtet und bietet:

 

Zitator:

Die wahre Geschichte von Alexander.

 

Sprecherin:

Die wirkliche Geschichte von Attila dem Hunnen.

 

Zitator:

Die Wahrheit über Hannibal.

 

Sprecher:

Scheinbar ohne Standpunkt und ohne eigene Interessen soll hier Wissen um Geschichte vermittelt werden. Diesen Anspruch konnte aber selbst die historistische Schule der Geschichtswissenschaft nicht einlösen und Wolfram Siemann von der Universität München bezweifelt, dass Populärgeschichte dies leistet.

 

41.  O-Ton: (Siemann)

Also, ich will das nicht von vornherein verurteilen, sondern als eine Gelegenheit der Veranschaulichung und Vergegenständlichung betrachten. Aber besser ist es, wenn man dann auch noch ein gutes historisches Buch dazu liest um das abgleichen zu können. Und in der Regel erkennt man dann erst die Perspektive des Redakteurs, den jeder muss eine Perspektive haben. Man kann nicht standortlos schreiben und filmen.

 

 

Sprecher:

Vor allem durch das Fernsehen ist Geschichte Teil des Showbusiness geworden. Historische Dokumentationen und Dokudramen werden auf demselben Markt gehandelt wie Dokusoaps und sogenannte Reallife-Formate, wie Big Brother oder für „historisch Interessierte“ das „Abenteuer 1900“. Die Historiker, also die Experten, die die Gesellschaft ja immer noch in großer Zahl beschäftigt, kommen in vielen Sendungen gar nicht mehr vor, sondern tauchen oft nur noch als Berater im Abspann auf.

 

41. O-Ton: (Siemann) Fortsetzung

 

Sprecher:

Die Stärke von historischem Infotainment ist zweifellos, dass es Themen verkaufen kann und das reklamieren seine Vertreter ja auch. Guido Knopp:

 

42.  O-Ton: (Knopp)

Geschichte ist unheimlich spannend und es gibt eigentlich nichts was dem Format eines Krimis näher kommt, als eine Geschichtsdokumentation, wenn sie die richtigen Themen und Formate ausweist. Das macht es interessant, das macht es wichtig und deswegen ist die Thematik Geschichte für das ZDF auch so unverzichtbar.

 

Sprecher:

Historytainment ist das Versprechen Bildung zu bekommen ohne Anstrengung. Wie bei Geräten, die Muskeln ohne Training, oder Diäten, die Schlankheit ohne Nahrungsverzicht versprechen, empfiehlt sich demgegenüber eine gewisse Skepsis. Wir beschäftigen uns mit Geschichte, ob wir wollen oder nicht. Auch wer offensiv das Gegenteil behauptet, versucht seinen eigenen Werdegang zurück zu verfolgen und zu dokumentieren. Gerhard Freund, Geschichtslehrer aus Berlin:

 

43.  O-Ton: (Freund)

Es ist auch so, dass wir damit ja ein Grundbedürfnis des Menschen im Grunde ja abdecken. Wenn man sich mal überlegt. Ich wüsste keine Familie, die nicht ihr eigenes Archiv hat zu Hause. Also ob das Foto ist, die Urkunde oder wie auch immer. Dieses Grundbedürfnis mit eigener Vergangenheit umzugehen ist da. Und wenn man das erweitert im Hinblick auf Gemeinschaft, eigenes Land, Nation, Europa, wie auch immer, denke ich packen wir die Menschen da, wo sie in ihrem ureignen Interesse gepackt sind.

 

Sprecher:

Die Frage ist, wem man die Sortierung des Fotoalbums überlässt.

 

In der Reihe Zeitfragen hörten Sie heute: „Historytainment – Geschichte als Seifenoper? Über den Boom der Populärgeschichte“

Ein  Feature von Martin Hartwig

Es sprachen: Marina Behnke, Joachim Schönfeld und Frank Hessenland

Ton: Ralf Perz

Regie: Johanna Elbauer

Redaktion: Constanze Lehmann

 

Produktion Deutschlandradio Berlin 2005.